Faktencheck
Energiewende 2017/2018

Nachhaltiges Bauen bedeutet kostenbewusstes Bauen

Mythos

Hohe Energiestandards machen Bauen viel teurer und verhindern leistbares Wohnen. Wir müssen die Energiestandards nun wieder senken.

 

Fakten

Energieeffizientes Bauen heißt leistbares Wohnen. Ambitionierte Energiestandards im Neubau sind eine Investition – wer jetzt auf entsprechende Qualität setzt, vermeidet Kosten in der Zukunft. Aktuelle Analysen zeigen: Dass energieeffizientes Bauen teuer sei, ist ein Vorurteil. Die geringen Mehrkosten bei der Errichtung werden im Lebenszyklus durch die verringerten Energiekosten mehr als ausgeglichen – auch ohne Förderung.

ANSTIEG DER GRUNDSTÜCKSKOSTEN

im Zeitraum 2010–2015 (grober Mittelwert)

Die Grundstückskosten sind laut Immobilienpreisspiegel der WKO in den vergangenen Jahren deutlich stärker gestiegen als die Baukosten

Klimagerechter Wohnbau

4 - 6 %
bauliche Mehrkosten gegenüber Mindeststandard führen unter spezifischen Voraussetzungen zu
-75%
beim Primärenergiebedarf
 
Die zusätzlichen Investitionskosten durch Energiesparmaßnahmen sind im Vergleich zu relevanten Kostentreibern wie etwa explodierenden Grundstückskosten oder der oft verpflichtenden Stellplatzerrichtung meist untergeordnet. Das Vorarlberger Projekt „Klimagerechter Nachhaltiger Wohnbau“ (KliNaWo) zeigt, dass die baulichen Mehrkosten einiger Gebäudevarianten mit 75% Einsparung für Heizung, Warmwasser sowie Hilfsstrom für Heizung und Lüftung bei etwa 4-6% liegen. Diese geringen Mehrkosten werden im Lebenszyklus durch die verringerten Energiekosten mehr als ausgeglichen. Nachhaltige Gebäudetechnik ist in den vergangenen Jahren günstiger geworden. Zugleich macht eine Tiefgarage in der Innenstadt bis zu 25% der gesamten Baukosten aus. Völlig unberücksichtigt bleibt dabei, wie sich Mobilitätskultur wandelt.

Die Grundstückspreise sind in den Wohngemeinden vieler Bundesländer in den letzten 20 Jahren um das Drei- bis Fünffache gestiegen – deutlich stärker als die Baukosten selbst. Auch in den vergangenen fünf Jahren gab es entsprechende Anstiege. Die Grundkosten machen, je nach Lage, mittlerweile zwischen knapp 10% (österreichweit) und 40% (in Toplagen) der Baukosten aus.
Weitere relevante Kostenfaktoren wie lange Bauträgerabwicklung (geschätzt 5–15% an Mehrkosten) oder teils raumplanungsbedingt schlechte Grundstücksnutzung wie eingeschoßige Supermärkte, Baumängel und schlechtes Qualitätsmanagement bleiben in der Diskussion um Energieeffizienz-Qualitätsstandards und Kostenentwicklungen meist unberücksichtigt.